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Andacht- und Predigt Archiv

Ist Gott allmächtig?

Veröffentlicht am Fr, 20.03.2015
von Franz Nagler
Pfarrer / Kath. Kirche, Kath. Kirchengemeinde St. Martinus Kornwestheim

Die Allmachtsträume der Menschen gehen heute sehr weit. Sie  beschränken sich nicht nur auf die Fabrikation von immer besseren Maschinen, Autos, Handys, Gegenständen, die unser Leben erleichtern sollen. Sie beschränken sich auch nicht auf die Herrschaftsinteressen der Mächtigen. Sie beschränken sich nicht auf Eingriffe in das menschlichen Leben vor der Geburt mittels der Präimplantationsdiagnostik oder am Ende des Leben auf dem Wege der Euthanasie. Sie beschränken sich nicht auf den Versuch das ganze Leben der Ökonomie zu unterwerfen. Sie beschränken sich  nicht auf Erkenntnistheorien. Die Allmachtsträume der Menschen beschränken sich auf überhaupt keinem Feld. So sehr man hier einiges begrüßen wird, bleibt dennoch das schale Gefühl, dass die Steinzeitmenschen wahrscheinlich genauso glücklich oder unglücklich ihr Leben führten wie wir. Schlimmer, die Folgen menschlicher Allmachtsträume heute sind grausamer, zahlreicher und unverständlicher als zu allen vorigen Zeiten. Welches Zeitalter konnte schon mit einer Bombe eine ganze Stadt vernichten? Wir merken, dass unsere Erde trotz aller  technischen wie logistischen Möglichkeiten immer ungleicher, grausamer und ungerechter wird. Dies ausblendend erwarten wir natürlich nun von Gott, dass er, ja allmächtig, doch das schlimmste verhindern oder abwenden könnte. Ein schrecklicher Unfall, ein Kindstod, der Tod einer jungen Mutter mit Kindern, - warum hat Gott dies nicht verhindert? Eine alte Fragestellung gewinnt wieder an Bedeutung: Entweder ist Gott allmächtig, dann ist es unverständlich, warum er solches nicht verhindert oder er ist nicht allmächtig, dann hat er sein Gottsein verspielt.Wir sind in der Fastenzeit und gehen auf die Karwoche zu. Im Johannesevangelium (Joh 3,14ff.) wird erzählt, wie Mose in der Wüste eine Schlange an einem Pfahl erhöhte, damit das ganze Volk sehen konnte, was es vergiftete. Daran anschließend erzählt Johannes, dass der Sohn Gottes am Kreuz erhöht wurde, damit jeder das Leben gewinne. Jeder sollte durch den Blick aufs Kreuz die Grausamkeiten zu der menschliche Willkür und Allmacht fähig sind, sehen. Gleichzeitig soll jeder sehen, was für ein Lebensentwurf hinter dem steht, der so grausam gekreuzigt wurde. Sie sollten sehen, dass dieser Jesus, der die Liebe, den Frieden, die Freiheit wagte, der gegen jede Ungerechtigkeit, die ihm begegnete, anging, der die kleinen Leute bevorzugte, der ganz neue Worte für das Leben fand, durch keine Macht, Allmacht der Welt gebeugt werden konnte. Getötet erstand er wieder zum Schrecken der Wächter. Die Allmacht Gottes besteht also darin, dass die Liebe, der Frieden, das Leben, die Gerechtigkeit nie besiegt werden können. Die Einladung an uns geht nun dahin, dass gerade dort, wo wir mit dem Leben und seinen Ungerechtigkeiten hadern, selber den Weg des Lebens, der Liebe, der Gerechtigkeit wagen.
Wir haben uns angewöhnt unser individuelles Glück zu suchen, unser eigenes Leben zu leben, selbst als Christen. Dies ist letztlich ein Verrat an der Liebe Gottes. Von „Gottes Allmacht“ zehren wir dort, wo wir uns mit dieser Spiritualität aufeinander einlassen. Wenn wir in den folgenden Wochen auf den Gekreuzigten schauen, dann um all das zu sehen, was unser Menschsein vergiftet und Menschen ans Kreuz bringt, aber auch um zu sehen, dass ein Lebensentwurf in der Nachfolge Jesu nie untergehen kann.

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