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Zum Sonntag: Einer trage des andern Last

Veröffentlicht am Sa, 08.07.2017

Mein Gegenüber lächelte. Aber es sah nicht überzeugend aus. Spuren von Überwindung waren deutlich zu sehen. Sie hatte ihr kleines Häuschen verkauft. Mit ein paar wenigen Erinnerungsstücken ist sie ins betreute Wohnen gezogen. Warum sie das so schnell durchgezogen hat, wollte ich wissen. „Nachdem ich merkte, dass es nicht mehr alleine zu Hause ging. Ich wollte meinen Kindern nicht zur Last fallen.“ Nach meinem Geburtstagsbesuch bei der 83 jährigen Frau dachte ich darüber nach, wie oft ich diesen Spruch schon gehört hatte, vom „nicht zur Last fallen“. Das steckte den Menschen dieser Generation so tief in den Knochen. Woher das kam? Erziehungssache? Offensichtlich gerade auch in vielen christlichen Häusern.War das nicht das krasse Gegenteil von diesem bekannten Bibelvers?„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Gal 6, 2) Nun wird das der neue Wochenspruch sein. Was für einen Wert haben solche Worte in einer Gesellschaft, bei Jung wie Alt, die unter vielen Belastungen nur noch so ächzt?„Es wird einem im Leben nichts geschenkt“, ist auch so ein bekannter Spruch. „Free hugs“, las ich neulich auf einem Plakat neben zwei netten Jugendlichen. Offensichtlich verschenkten sie eine Umarmung. Und sie hatten jede Menge zu tun.War das schon eine Art Übersetzung des Wochenspruchs in den Alltag? Das Leben einander erträglicher machen, klingt für mich nicht nach biblischem Appel, sondern eher wie eine Empfehlung. Es klingt auch nicht einseitig, sondern wie „Geben und Nehmen“. Gut möglich, dass jemand auf unverhoffte Hilfe reagiert mit Worten wie: „Sie sind ein Engel!“ Das ist bei Jesus doch „gesetz(t)“:  Einander solche Erfahrungen vom Himmel auf Erden schenken, wenn Lasten mitgetragen werden oder gar ganz abfallen. Oder?Viele solche Erfahrungen wünscht Ihnen in dieser WochePfarrer Klaus – Dieter Gress

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