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Geschichte Wendelinskirche

Treten Sie ein!

Die Wendelinskirche wird derzeit innen renoviert und ist deshalb geschlossen. Mit einer Wiedereinweihung ist gegen Ende des Jahres 2017 zu rechnen. Während dieser Zeit finden die Gottesdienste im danebenliegenden Gemeindehaus statt.

 

 

Normalerweise ist die Wendelinskirche tagsüber geöffnet und gehört zu den über 130 Kirchen, denen in Württemberg das Signet "geöffnete Kirche" verliehen wurde (vgl. http://www.kirche-geoeffnet.de und den Eintrag unserer Kirche auf http://www.kirchbau.de/)

 

 Der auf Eck gestellte Turm

Baugeschichtlich eine absolute Rarität ist der Turm, der um 45° gedreht ist. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Die Annahme, die lange Zeit vertreten wurde, hat Eduard Theiner, Archivar der Stadt Remseck, widerlegt. Danach habe der Turm zuerst als Wehrturm gedient und erst später habe man das Kirchenschiff angebaut. Dies kann nicht sein, da die bauliche Verbindung zwischen Turm und Kirchenschiff eindeutig aus derselben Zeit stammt. Vielleicht hängt es ja doch mit einer Mauer zusammen, die schräg hinter der Kirche verlief und die adlige Eigenkirche zusammen mit Schloss und Maierhof schützte. Wahrscheinlicher ist aber, dass hier schlicht eine architektonische Idee umgesetzt wurde, die gar nicht so weit hergeholt ist, aber in der Umsetzung doch einen beträchtlichen Mehraufwand mit sich bringt. Einen solchen um 45° gedrehten Turm soll es in Württemberg nur noch einmal geben. Wer in Württemberg oder Deutschland einen ähnlichen Kirchturm kennt, möge uns bitte informieren.

Geschichtliches

Das Patronat (das Recht, den Pfarrer zu ernennen, und die Pflicht, das Gebäude zu erhalten) an der 1275 erstmals genannten, dem heiligen Wendelin geweihten gotischen Pfarrkirche, besaß das Kloster Lorch. Im 17. Jahrhundert war Hochdorf zeitweise kirchliches Filial von Hochberg (1637-1661 und 1666-1668) und von Bittenfeld (1662-1666).

Die Reformation ist in Hochdorf schon vor 1585 eingeführt gewesen, möglicherweise sogar schon 1554 wie in Hochberg. Die erste Konfirmation wurde 1726 gefeiert.

Das Glockengeläut

Die heutigen Glocken sind bereits die vierte Generation, die zu Gottesdienst und Gebet ruft. 1693 wurden die Glocken von französischen Soldaten entwendet, später noch einmal für den 1. Weltkrieg eingeschmolzen. In der Zeit danach konnte man sich nur gußeiserne Glocken leisten, die mit der Zeit vom Rost geschädigt waren und herunterzufallen drohten. Deshalb erhielt die Kirche 1987 ein neues Bronzegeläut. Gestimmt sind die Glocken auf die Töne A, C und D. Sie tragen die Inschriften: „Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“, „Ehre sei Gott in der Höhe“ und „Lasset die Kindlein zu mir kommen ...“

Wendelinskirche oder Bernhardskirche?

Die Kirche war ursprünglich dem heiligen Wendelin geweiht, einem katholischen Heiligen irisch-schottischer Herkunft, der als Schutzpatron der Hirten und der Landleute, Bauern, Tagelöhner und Landarbeiter gilt. Er wird üblicherweise mit einem Hirtenstab und Tieren dargestellt. Der Legende nach soll er im 6. Jahrhundert im Bistum Trier missioniert haben. Das Grab Wendelins befindet sich in der Basilika minor „St. Wendelin“ in der nach ihm benannten Stadt St. Wendel.

Auf einer reinen Vermutung aus dem 20. Jahrhundert beruht hingegen die Bezeichnung der Kirche als Bernhardskirche. Sie ist historisch nirgendwo belegt und geht zurück auf die Flurbezeichnung „Bernhardsäcker“ oberhalb der ev. Kirche.

Sehenswürdigkeiten in der Kirche

Von besonderer historischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung sind die Grabplatten, die sich heute nicht mehr im Boden bzw. an der Nordwand der Kirche, sondern an den Wänden befinden (seit 1976 bzw. 1956).

1. Die Grabplatte der Mechthild von Bernhausen geborene Nothaft besteht aus Sandstein und hat eine umlaufende Randinschrift. Im Mittelfeld findet sich das Relief der Verstorbenen. Sie steht unter einem aus Astwerk gebildeten Kielbogen-Baldachin und hält in den gefalteten Händen den Rosenkranz; zu ihren Füßen ein winziger Hund. Über dem Baldachin finden sich zwei Wappenschilde. Die Inschrift in gotischer Minuskel lautete ursprünglich:

Anno Domini 1511 [an Sant lenharts tag starb die edel vnd]
Frvm Erber Frawe Mechthilt Notheftin Der Got Genedig Sy Amen

Die Verstorbene stammte aus der im Jahre 1474 geschlossenen Ehe des Georg Nothaft zu Hochberg und der Margret von Kaltental. Sie war die erste Ehefrau des Jakob von Bernhausen, dem sie aus ihrem väterlichen Erbe Besitz in Hochdorf vermachte.

2. Die Grabplatte des Hans Joachim Schöner (Schener) von Straubenhardt, ebenfalls eine Sandsteinplatte mit Umschrift. Im Mittelfeld ist der verstorbene Knabe im Totenhemd (?) mit Halsketten und Brustmedaillons auf einem Hund stehend dargestellt.

A[N]NO DOMINI 1559
DEN 14 AVGVSTVS STARB DER EDEL VND VE
ST HANS IOCHEM SCHE
NER VON STRAVBENHART DEM GOT GNAD

Die Schöner waren nicht in Hochdorf ansässig. Der damalige Hochdorfer Schlossherr Hans Eberhard Holdermann war jedoch ein älterer Stiefbruder des Verstorbenen. Der Knabe kam vielleicht nach dem Tod seiner Mutter nach Hochdorf in den Haushalt des Stiefbruders, das würde die Bestattung in Hochdorf erklären. Das Erbbegräbnis der Schöner von Straubenhardt war in Weiler (Gem. Keltern, Enzkreis).

3. Das Grabdenkmal der im Alter von sieben Jahren verstorbenen Maria Salome Mergentaler.

VFF DEN 29 APRIL ANNO 1585 ZWISHEN 10/VND 11 VHR VOR
MITTAG STARB DAS FR/VM VND GOT SELIG KIND MARIA
SALO/ME DIE ERZEVGT GEWEST VON GEORG MERGENTALER
VND SEINER EHLICHER H/AVSFROW MARIA MINSINGERIN
ZU HO/CHDORF WELCHE DER EDEL VND VEST
FRIDERICH STVRMFEDER DISR ZEIT ZVO BA/CKNANG
WONHAFFT GWEST AN EINS KINDSSTAT 7 IAR VFERZOGEN
DERO / GOT GNAD AMEN

2. Inschrift: IESUS NASERENVS REX IVDEORVM

4. Im Chorraum sieht man auf der linken Seite aus der Zeit vor der Reformation noch ein kleines Tabernakel. Von den Wandmalereien, die früher die Wände geschmückt haben, ist heute leider nichts mehr zu sehen.

5. Die jetzige Orgel wurde 1970 von der Firma Walcker u. Co., Ludwigsburg, gebaut. Sie hat 7 Register, die auf zwei Manuale und das Pedal verteilt sind. Ursprünglich wurde diese Orgel für die Aufzeichnung einer Passionsaufführung im Fernsehen mit Karl Richter gebaut und konnte 1972 von der Kirchengemeinde günstig erworben werden. Sie ersetzte ein bisheriges kleineres Instrument.

 

Viele Bilder vom Inneren und Äußeren der Kirche finden Sie unter dieser Bildergalerie

Bildergalerie der Wendelinskirche vor der Renovierung