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Remsecker evangelische Kirchengemeinden loten Zusammenarbeit aus

Die rückläufige Zahl evangelischer Kirchenmitglieder wirkt sich in den kommenden Jahren auf die Zahl der Pfarrstellen in Remseck aus. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die jetzt vorhandenen 4,5 Stellen in den vier Remsecker evangelischen Kirchengemeinden im Jahr 2024 reduziert.

Das sieht der sogenannte Pfarrplan vor, den die Evangelische Landeskirche in Württemberg im Sechs-Jahres-Zeitraum erstellt. "Wir sind aufgerufen, Wege einer Zusammenarbeit zu suchen", begrüßte der Neckarremser Pfarrer Klaus-Dieter Gress zahlreiche Gäste bei einem Informationsabend am 16.05.2017 im Neckarremser Gemeindehaus, zu dem die vier evangelischen Kirchengemeinden  eingeladen hatten. Man wolle den Gemeindegliedern frühzeitig die Tatsachen aufzeigen und in die Prozesse einbinden. Die Fakten sind deutlich. Nur noich 3,15 Pfarrstellenanteile weist der Pfarrplan 2024 rechnerisch für Remseck aus. Wie viele Stellenanteile letztendlich dem Rotstift zum Opfer fallen, ist offen. Den Beschluss darüber wird die Bezirkssynode des Kirchenbezirks Ludwigsburg im nächsten Frühjahr fällen.

An einem Zusammenwachsen führe in Remseck kein Weg vorbei, machte die Hochberger Pfarrerin Elke Goldmann deutlich:" Die Zeiten, dass jeder Stadtteil seine eigene Vollzeitpfarrstelle behält, sind vorbei", verwies sie auf ihre eigene Erfahrung. Vor drei Jahren fusionierten die ehemals selbstständigen evangelischen  Kirchengemeinden Hochberg und Hochdorf zur Christuskirchengemeinde Remseck unter dem Zwang eine halbe Pfarrstelle einzusparen. Noch viel länger, nämlich seit 2003, arbeiten bereits die evangelischen Kirchengemeinden Neckargröningen und Aldingen zuammen. Auch dort erforderte der Pfarrplan 2006 die Streichung einer halben Pfarrstelle. unberücksichtigt bleibt bei den Rechenspielen der sechste Remsecker Stadtteil Pattonville, der auf der kirchlichen Landkarte komplett zu Kornwestheim gehört.

Die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit den Nachbarn barg an dem Infoabend wenig Zündstoff. "Remseck am Neckjar wächst seit über 40 Jahren zusammen, warum dann nicht auch die Kirchen?" fragte ein Zuhörer.

Zumal längst stadtteilübergreifend gedacht wird. Zwischen 15 und 18 gemeinsame evangelische oder ökumenische Gottesdienste errechnete der Neckargröninger Pfarrer Achim Dürr im Jahresdurchschnitt. Oftmals seien es gerade die von allen Remsecker Gläubigen gefeierten Veranstaltungen, die zu den Höhepunkten des kirchlichen Jahreskalnders gehörten.

In welche rechtliche Form eine künftige Zusammenarbeit gegossen wird, bleibt den Kirchengemeinden selbst überlassen. Von seiten des Oberkirchenrats (OKR) wird im Findungsprozess eine Fachberatung angeboten. Seit rund einem Jahr begleiten die beiden OKR-Mitarbeiterinnnen, Amelie Seifert und Nicolle Walliser, den aus den vier Kirchengemeinden gebildetern Kooperationsausschuss.

Kritischer gestalteten sich an dem Abend die Fragen nach der Auftrechterhaltung des bestehenden kirchlichen Angebots. Man dürfe sich nichts vormachen. "Der Stellenrückgang bleibt nicht folgenlos", so Goldmann. Die pfarramtliche Grundversorgung mit den Kasualien wie Taufen, Beerdigungen oder Festgottesdienst bleibe unangetastet. Darüber hinaus pflege jede Gemeinde eine Reihe besonderer Angebote, beispielsweise in der Kinder-, Familien- oder Seniorenarbeit. Hier werden Einschnitte unvermeidbar. Wie diese Angebote in Remseck gebündelt werden können, sei Gegenstand der Überlegungen in den nächsten Jahren. Zuviel Zeit sollte dabei nicht vergehen. Zumal der Kirchenbezirk Ludwigsburg eine Prognose für das Jahr 2030 gestellt habe, nach der weitere Pfarrstellenanteile in Remseck entfallen werden.

Dekan Winfried Speck trat vehement der Resignation entgegen. "Frust und Klagen haben zwfeifelslos ihren Platz. Eine Neuausrichtung bringt auch Chancen mit sich", sagt Speck. In einer Reformgemeinde wie Remseck sei man gut beraten, über den eigenen Kirchturm hinaus zu blicken. Er ermutigte die vier evangelischen Kirchengemeinden weiter aufeinander zuzugehen und die gemeinsame Zukunft voran zu treiben.

Pfarrer Gress gab zum Abschluss noch einen Ausblick, wie es weitergehen wird, zum Beispiel mit der Nacht der Kirchen, einer ökumenischen Veranstaltung aller Remsecker Kirchengemeinden am 28. Oktober 2017. Mit den Segensworten des Remser Stadtteilpfarrers machten sich alle wieder auf den Nachhauseweg, woher auch immer sie gekommen waren.

Thomas Schickle

Eindrücke des Info-Abends

Die evangelische Kirche rückt zusammen


Gemeinsames Kirchengemeinderats-Wochenende in Hohenwart

Zum ersten Mal waren die Kirchengemeinderäte der evangelischen Remsecker Kirchengemeinden gemeinsam auf einem Klausurwochenende.

Das Wochenende ist ein weiterer Schritt in Richtung Umsetzung Pfarrplan 2024, der eine Reduzierung der bisherigen 4,5 Pfarrstellen auf 3 zur Folge hat.

Nach Bildung eines Kooperationsausschusses, der Gemeindeinformation in Neckarrems 2017, gemeinsamen Aktionen wie Nacht der Kirchen, ging es jetzt darum, Möglichkeiten und Rahmenbedingungen einer Fusion der Kirchengemeinden ab 2020 zu erarbeiten.

Gemeinsam wurden Ideen entwickelt um Kirche stärker ortsteilübergreifend zu gestalten. Dabei soll Bewährtes nicht verloren gehen und Neues ermöglicht werden.

Ein weiteres Merkmal galt der zukünftigen Struktur. Bereits im Vorfeld hatten sich alle Kirchengemeinderäte dafür ausgesprochen, eine Fusion anzustreben. Im Rahmen der Klausur wurde erstmals konkretisiert, wie die Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Gremium aussehen könnte.

Abschließend können wir sagen, dass wir auf dem Weg in Richtung Fusion einen wichtigen Schritt weitergekommen sind. Es gibt noch viel zu tun, aber wir sind zuversichtlich!

 

Einige Eindrücke des Klausurwochenendes